Beschreibung: Aus den vielen Bildern der gesamten Crew hat sie einige ausgwählt und dazu passende Logbucheinträge erstellt. Die Bilder sind in der Reihenfolge der Tage benannt, so dass man sie den Tagen und Logbucheinträgen zuordnen kann (Tag1xxx.jpg, Tag2xxx.jpg, etc.).
Segeltörn Kiel-Göteborg im August 2006
Tag 1 Samstag, 26.8.06 Kiel – Laboe
Voller Vorfreude und Spannung treffen wir 5 Crewmitglieder mittags auf der Anthana ein. Es macht sich zugleich ein angenehmes Gefühl breit - wir werden zusammen mit dem Skipper eine prima Truppe. Und der erste Eindruck von der Anthana läßt keinen von uns Ankömmlingen kalt - eine sehr schöne und komfortable Yacht, auf der es sich entspannt segeln lässt. Die Kenner unter uns entdecken z.B. sofort die elektrische Toilette (ohne Handpumpe), den großzügigen Salon, bequeme Betten (mit thematisch passender Leuchtturm-Bettwäsche) und eine super ausgestattete Pantry (da gabs sogar ´nen Eierpicker). Den ganzen Stolz des Skippers bekommen wir auch gleich vorgeführt: die neue Cappuccino-Maschine! Wir erkennen sofort die Prioritäten: Erst die Einweisung in die Bedienelemente dieses Schätzchens incl. Degustation, danach Sicherheitseinweisung und Bunkeraktion. Um 19 Uhr legen wir spontan ab und passieren die Hörnbrücke Richtung Laboe. Die 7sm bis Laboe und der folgende Abend in einer Tapas-Bar reichen Andrea (des Skippers Partnerin) aus, um uns über die Gottgleichheit eben diesen Mannes zu desillusionieren. Bis zum Ende des Törns hat er tatsächlich nur zwei Dinge erfolgreich verteidigen können: seinen Navigationstisch und die Skipper-Cappuccinotasse. Gönnen wir ihm diese kleinen Erfolge.
Tag 2 Sonntag, 27.8.06 Laboe – Korsør
Der Navi-Cursor wandert Richtung Korsør (72sm). Um 9 Uhr in der Früh legen wir ab und setzen die Segel. Besonders der Anfang ist windig. Bei achterlichem Wellengang sind 3-4 Crewmitglieder ziemlich angeschlagen. Prophylaktisch geben wir die Parole aus „Gekotzt wird nach Lee.“ Schön zu erleben, dass sie sich in der Praxis bewährt. Und auch, dass abends bei Nudeln und Tomatensoße wieder alle kräftig zulangen. Noch in den letzten Minuten beim Anlaufen des Hafens von Korsør kommt uns vor der großen Belt Brücke eine verdammte Fähre in die Quere. So heißt es spontan noch zwei Wendemanöver fahren. Da zeigte sich, wie fit wir noch alle sind. Nach erfolgreichem Durchführen des „Manövers des letzten Augenblicks“ steuerten wir schnurstracks auf die gewünschte Hafeneinfahrt zu. Nach 72 windigen sm sei es uns gegönnt. Auch im Hafen von Korsør verfolgen uns die achterlichen Wellen und plätschern laut gegen das Heck. Mit einstimmigem Beschluss wenden wir bei Dunkelheit am Anleger von Steuerbord auf Backbord, damit auch die Crewmitglieder in den Achterkabinen gut schlafen können. Wir führen folgende Rituale ein: Erst in Ruhe einen „Anleger“ trinken, dann lecker kochen und die Eindrücke des Tages in einer Feedback-Runde sammeln. Leider können wir heute nicht auf Deck sitzen, es ist zu kalt. Trotzdem klingt der Abend in fröhlicher Runde zusammen aus (3x 5 Liter Fässer Rotwein, Alster, Radler, 3 Flaschen Weißwein, Baileys, Portwein usw.).
Tag 3 Montag, 28.8.06 Korsør – Ballen
Wir nehmen Kurs auf Ballen und segeln flott mit wahnsinnigen 11,5 kn (Fahrt durch Wasser) durch die Große Belt Brücke – was für ein Bauwerk! Der Wind ist uns wohlgesonnen, flaut aber gegen Abend ab. Auch wenn damit nicht bei allen das volle Segelvergnügen eintritt, manchen Magen freuts. Heute bekommen wir auch einen Vorgeschmack auf die Zuverlässigkeit der Seewetter-Vorhersagen: Der Wetterdienst äußert eine Idee, verbreitet sie, passt sie im Tagesverlauf zeitversetzt den tatsächlichen Geschehnissen an und hat damit abends 100% Trefferquote. Wir sind von soviel Professionalität beeindruckt. In Ballen finden wir einen sehr schönen Liegeplatz. Nur die Strom-Zapfsäule erweist sich als etwas schwach auf der Brust, wir müssen im Sekunden-Takt die Sicherung ´reindrücken. Dafür gibt´s großes Hafenkino: Die dänische Marine ist zu Gast, und wir kommentieren sämtliche Aktivitäten an Deck. Nur die Frage nach der Konfektionsgröße der weiblichen Schnuckelmaus in Marineuniform bleibt bis zum Schluss offen. Wir sehen den ersten Badegast ins kalte Wasser staksen und überlegen, wie wohl seine Begegnung mit den vorhandenen Schwärmen Feuerquallen sein wird. Ungefragt werden wir ins Päckchen genommen, die Crew des Excontainers lässt mal gleich Taten sprechen. Währenddessen kümmert sich der Skipper intensiv um das Wohlergehen der Crew. Dank Autopilot am Tag ist er so ausgeruht, dass er das Zubereiten seiner Paella nicht nur wortreich zelebriert, sondern auch den Kochlöffel schwingt. Wir geben ihm das Gefühl, andächtig zu lauschen, und übernehmen das unqualifizierte Schnippeln der Zutaten. Die Paella ist dann in der Tat köstlich, wir essen auf Deck und genießen den Blick auf Regenbogen und Sternenhimmel. Die Stimmung ist so prächtig, dass unsere Nachbarn vom Excontainer neidisch fragen: „Könnt ihr auch segeln oder feiert ihr nur?“ Unverständlicherweise löst dies bei uns eine erneute Heiterkeitswelle aus.
Tag 4 Dienstag, 29.8.06 Ballen – Grena
Anfangs noch Windstärke 3-4, dann abfallend. Unser Skipper hat schon einige Male vom Parasail geschwärmt, welches er gerade gekauft hat und mit uns testen möchte. Er braucht nur noch das ok von seinem Bauch. Der lässt sich aber so lange Zeit, bis die Flaute da ist. Trotzdem ziehen wir das Parasail auf. Konzentriert wird das Vorgehen und jeder Handschlag besprochen, wir sind alle gespannt und kribbelig. Mit dem Hochziehen der „Tüte“ geht die „Sonne“ auf. Atemlose Stille an Bord, wir sind total gebannt vom Anblick des sich in Zeitlupe bauschenden Segels. Mit einer unglaublich sanften Stimme gibt der Skipper Anweisungen zum Regulieren des Parasails, wir sind völlig fasziniert. Die Flaute hält zwar an, doch wir sind hartnäckig und zeitweise schaffen wir sogar 5 kn (Fahrt durchs Wasser) – dank der hervorragenden Anweisungen vom Rudergänger und den tollen Ausführungen der Anweisungen durch die eingearbeitete Crew. Doch nach einiger Zeit müssen wir das Segel wieder einholen und unter Motor weiter fahren. Die Zeit drängt. In der Ferne sehen wir Schweinswale. Vor Grena findet gerade strategisch günstig vor der Hafeneinfahrt eine Regatta statt. Unser Anlegemanöver scheint ausreichend Hafenkino zu bieten, der Herr im weißen Bademantel fixiert uns mit unbewegter Mine. Und Wiedersehen macht Freude: Der Excontainer ist auch da! Nach Abendessen auf Deck (heute sind Nudeln mit Schafskäsesoße im Angebot) löscht unser Skipper beim Überspielen auf den PC mutwillig kompromittierende Fotos des Tages. Zerknirscht bietet er uns von seiner Ritter Sport Weiße Voll-Nuss an, und das deutet auf ein wirklich schlechtes Gewissen hin. Wir wissen nicht wie, aber Stefan meint, er könne die Fotos vielleicht später „wiederholen“. Die Stimmung bleibt also prima. Wie gut, von verschiedenen Fachrichtungen Profis an Bord zu haben.
Tag 5 Mittwoch, 30.8.06 Grena – Laesø
Einige Leichtsinnige unserer Crew hatten dem Skipper am Vorabend zugesagt, um 8 Uhr klar zum Ablegen zu sein. Also Ablegemanöver und Diesel bunkern schon vor dem Frühstück, bis Laesø ist es ja weit. Nicht nur der Skipper hat verschlafen, und weder wir noch die Anthana ist wirklich „klar“ zum Auslaufen. Frühstück auf Deck, wie wir es geplant hatten, geht leider nicht, da starker Wind herrscht und wir sofort die Segel setzen. Die Windstärke ist zwar schön, nur kommt der Wind leider aus der Richtung wo wir hin wollen. Also heißt es Höhe laufen und wir erwarten einen Manöver-reichen und langen Segeltag. Im Laufe des Tages kommt ungeahnterweise schnell die Flaute. Schade, so wird das Höhe laufen auch schwieriger. Dafür genießen wir den herrlichen Sonnenschein und können auf Deck und im Bugsitz Sonnenbaden. Völlige Entspannung macht sich breit. Aber um die Strecke bis Laesø zu schaffen, muss doch der Motor wieder ´ran. Abends (noch auf hoher See) genießen wir auf Deck superleckere Backkartoffeln mit noch leckereren Dips. Als i-Tüpfelchen gibts einen stimmungsvollen Sonnenuntergang. Es wird langsam dämmrig, wir tasten uns entlang zahlreicher Fischerfähnchen an Laesø heran. Im Dunkeln erreichen wir die Hafeneinfahrt, die nicht nur sehr eng sondern auch noch unbeleuchtet betonnt ist. Aber wir sind ja nicht 99,98sm gefahren, um uns davon abhalten zu lassen, in diesem Hafen anzulegen. Hafenkino gibts nicht mehr, dafür ist es zu spät (22 Uhr). Der Wind ist zwar frisch, wir bleiben aber noch lange an Deck und genießen den Abend. Und fragen uns bis heute, ob Candida (der Name unseres Nachbarbootes) ein adäquater Schiffsname ist, oder nicht doch ein ungeliebter Darmpilz (candida albicans).
Tag 6 Donnerstag. 31.8.06 Laesø – Göteborg
Der Wind pfeift schon nachts mit 5-6 durch die Takelage und frischt am Vormittag noch auf. Beim Segeln fahren wir Achterbahn: Die Wellenberge schieben sich auf 1,5 bis 2m auf, z.T. sogar auf 3m. Wir werden von gischtschäumender See übersprüht. Damit nicht nur das Teakholz der Yacht etwas von den imprägnierenden Eigenschaften des Salzwasser hat, nimmt Kerstin für sich eine ganze Welle in Anspruch. Schnell segeln wir bis in die Schärengärten von Göteborg. Die Felsenlandschaft im Wasser fasziniert uns. Während manche Schären ungenutzt sind, sind andere mit den essenziellen Besitztümern der Schweden komplett bebaut: 1 Haus, 1 Leuchtturm, 1 Fahne – mehr passt nicht drauf. Das Schiffs-Verkehrsaufkommen ist groß, wir sehen sogar einen Windsurfer. Und dank guten Augenmaßes passen wir sogar unter einer 45m hohen Brücke durch. Wir peilen den citynahen Hafen vor der Göteburger Oper an. Wie alle bisherigen Anleger erweist sich auch dieser Hafen als eine gute Wahl. Zur Gemüsepfanne mit Reis gibt´s auch wieder abwechslungsreiches Hafenkino geboten. Melancholie macht sich breit, denn morgen wird nicht mehr gesegelt, sondern Abschied genommen.
Tag 7 Freitag, 01.9.06 Hafentag in Göteburg
Wir wissen schon fast nicht mehr, was das ist, aber heute haben wir´s getan: Ausgeschlafen (Ausnahme: Brötchen holen und Eier kochen hat Ralf gemacht, wir freuen uns und Ralf gähnt verstohlen)! Nie haben wir so lange gefrühstückt. Stefan, Dana und Kerstin packen ihre Sachen, da sie nur den einwöchigen Törn gebucht hatten und heute von Bord gehen. Nachmittags nutzen einige von uns die Zeit, sich Göteborg anzugucken. Aber es tut auch gut, das Stadtgewimmel wieder hinter sich zu lassen, und auf die Anthana zurück zu kehren. Abends räumen wir den Kühlschrank leer und machen allgemeines Resteessen. Leider beginnt es so zu regnen, dass wir trotz Bimini nicht an Deck bleiben können. Zum Führen des Gästebuchs lassen wir unsere gemeinsamen Erlebnisse noch mal aufleben und tauschen per DVD Fotos aus. Um 1:45 Uhr nachts ist Schluss mit der trauten Runde, Kerstin muss los, da sie jetzt mit dem euroline-Bus zurück fährt. Dana und Stefan bleiben noch ein paar Tage in Göteborg und ziehen los in ihr Hotel. Thomas, Ralf und Olli bekommen morgen einen neuen Mitsegler, der die 2. Törnhälfte gebucht hat. Wir verabschieden uns voneinander und vermissen uns jetzt schon.
Tag 8 Samstag, 02.9.06 Anfang und Ende…
Für Dana und Stefan heißt es endgültig „Tschüß“ zu sagen zur Anthana. Arne sagt „Hallo“. Urheberrecht: Crew der SY Anthana des Segeltörns Kiel-Göteborg